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D-SLR: Tutorial für gelungene Landschaftsaufnahmen

D-SLR: Tutorial für gelungene Landschaftsaufnahmen

Landschaftsaufnahmen für Dummies 🙂

Kürzlich hab ich einen Aufruf im DSLR-Forum gestartet, mit der Bitte um einen Gastbeitrag/Tutorial für Bergsportfans und Inhaber von digitalen Spiegelreflexkameras. Ich kann aus eigenen Erfahrungen sprechen: Ich bin regelmäßig in den tollsten Gegenden, mit den tollsten Motiven, die ich ich als stolzer Besitzer einer Canon EOS 450D natürlich auch konservieren möchte. Erfahrungsgemäß ist es aber dann doch eher ein Zufall, wenn ich mal ein tolles Foto mache. Raik Krotofil – beeindruckender Name, wie ich finde – hat sich sofort bereit erklärt einen Gastbeitrag zu schreiben. Wem es gefällt was Raik tolles mit seiner Kamera zaubern kann, schaut einfach auf seine Website raiklight.de – Outdoor & Eventfotografie.
Ich will gar nicht mehr sagen, außer vielen Dank an Raik, dass er sich so kurzfristig dazu bereit erklärt hat. Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen.


Mein Name ist Raik Krotofil

Raik Krotofil

Raik Krotofil

Ich bin 39 Jahre alt und wohne an der südlichen Weinstrasse, eine sehr schöne Ecke im südwesten Deutschlands. Mit Fotografie habe ich schon mit 16 Jahren meine ersten Berührungen mit einer einfachen DDR Kamera – ich glaube es war eine Praktika – gemacht.

Die Filme habe ich selbst im dunklen Badezimmer mit Rotlichtlampe entwickelt. Nicht wirklich professionell, aber es hat Spaß gemacht, und das zählt. Später habe ich mir dann in den 90iger Jahren eine Canon 500N Spiegelreflex zugelegt. Damit habe ich dann so ein – zweimal im Jahr die Urlaubsfotos geschossen. Daraus wurde dann im Digitalzeitalter eine Canon 350D.

Ein Arbeitskollege meinte vor ein paar Jahren, „fotografier doch bitte unsere Hochzeit“. Damit war dann die Sucht und Passion endgültig entfacht. Ich habe mir mein Wissen selbst über Foto-Foren und diverse Blogs, Fotofachbücher und auch Zeitschriften selbst angeeignet.

Motivauswahl und Bildausschnitt

Tja, wie bekommt man nun das auf den Sensor, was einen beim Anblick einer Landschaft fasziniert?

Es gehört grundsätzlich schon eine Liebe zur Natur, zu Licht, seinen Facetten, zu Wolkenformationen und Stimmungen dazu. Im Vorfeld solltet Ihr Euch Gedanken über den Bildschnitt, die Aufteilung des Bildes und des Motives Gedanken machen. Das dauert am Anfang vielleicht ein wenig, geht nach mehreren Fotos aber in Fleisch und Blut über. Der Goldene Schnitt oder die Drittelregel helfen hier.

Hier ein Beispielfoto aus Thailand. Das Bildwichtige Motiv sollte immer auf einem Kreuzpunkt der 3 Linien im Bild sitzen, links oben, links unten, rechts oben oder rechts unten. Der Buddha sitzt hier auf dem Punkt (Bild: Buddha)

Buddha

Buddha

Das ist nur eine Regel, von der man auch abweichen kann, es ist kein Gesetz, macht Fotos aber interessanter.
Der Horizont wirkt mittig angeordnet meist langweilig. Also setzt diesen in das obere Drittel. Nutzt Diagonalen oder Linien, die den Betrachter ins Bild ziehen, wie die Fußspuren auf dem Foto vom Strand in Sardinien (Bild: Strand).

Jenseits der Programmautomatik

Bitte versucht mal das P von „Programmautomatik“ zu vergessen. Euere Kamera kann mehr als eine Kompaktknipskiste. Ich verwende in der Landschaftsfotografie mittlerweile ausschließlich den M-Modus. Hier werden die Parameter wie Blende und Zeit manuell vorgegeben. Seit Ihr da noch nicht so sicher, könnt Ihr auch auf AV, also Vorgabe der Blende, die Kamera errechnet dann die Benötigte Zeit automatisch, wechseln.

Strand

Strand

Die richtige Belichtung ermittele ich meist Anhand der Liveview-Funktion der Kamera. Gelingt Euch das nicht, so empfehle ich die Kamera gen Himmel zu richten nicht in die Sonne (zur Vermeidung von Augenschäden!). Dann die angezeigte Belichtung mit der Stern-Taste speichern und den Bildauschnitt festlegen. Wichtig hierbei ist, die Belichtungskorrektur an der Kamera um 1-2 Blendenstufen nach ober zu regeln, da sonst der Himmel unterbelichtet würde.

Das Anmessen des Himmels führt aber nicht immer zu dem richtigen Ergebnis. Das Problem liegt im Dynamikbereich unserer Kameras. Der Sensor kann einen Helligkeitsunterschied von ca. 5-6 Blendstufen/Lichtwerte einfangen. Landschaften weisen sehr oft eine höhere Dynamik auf. Oft ist dann im Foto der Vordergrund zwar richtig belichtet, aber der Himmel ist viel zu hell, Lichter fressen aus. Ist dann der Himmel richtig belichtet fehlen oft die dunklen Details im Vordergrund/Landschaft.Dem kann man bei Verwendung eines Grauverlaufsfilters entgegenwirken.

Eine weitere Technik ist das HDR. Es werden mehrere Fotos mit unterschiedlichen Belichtungen, bei mir meist 3 mit einem Unterschied von jeweils 1 bis 1/2 Blendstufen mittels Software verrechnet.

Unerlässlich empfinde ich, sich das Foto sofort, was in digitalen Zeiten ein Segen ist, am Display anzuschauen. Ich verwende immer die Bildinformationen dazu, sprich: Das Histogramm. Dieses zeigt an, wo Bildteile unter bzw. überbelichtet sind. Ist aber ein ausschweifendes Thema…

ISO, Blende und Belichtungszeit

Turm

Turm

Ich benutze Grundsätzlich ein Stativ, da ich immer mit niedrigen ISO- Werten, meist ISO 100 fotografiere und die Blendeinstellungen meist bei 11-14 halte. Somit ist ein Verwackeln des Bildes vorprogramiert. Dazu kommt noch ein Fernauslöser, um Verwackelungen beim Auslösen zu vermeiden. Kletterer haben selten sowas dabei. Stützt die Kamera auf einen festen Untergrund, Felsen oder ähnliches. Sollte das nicht funktionieren, stellt den ISO-Wert und somit die Filmempfindlichkeit hoch. Freihand gehen so meistens Belichtungszeiten von 1/80 – 1/100, abhängig von der Brennweite.

Genau, die Brennweite…

Ich liebe weitwinkelige Landschaften. Meine Landschaftsoptik ist hier ein Tokina 12-24 mm. Reizvoll ist auch ein Telebereich von 80-200 mm. Ich fokussiere meist im Autofokus-Modus, immer einen Punkt, der 1/3 von mir im Verhältniss zum Motiv/ Horizont entfernt liegt. Somit ist bei hoher Blendzahl die Schärfe von vorn bis hinten durchgehend.

Bester Zeitpunkt

Bucht

Bucht

Die Wunschuhrzeit meiner Aufnahmen liegt bei 1 Stunde vor bzw. nach dem Sonnenaufgang/Untergang. Da ist das Licht weich, die Schatten lang. Die Landschaft bekommt Struktur. Den blauesten Himmel gibt es im Sommer zwischen 12:00- 14:00 Uhr. Hier kann ein sogenannter Polfilter den helfen, den Himmel blauer, ja teilweise fast schwarz zu bekommen.

Wer tiefer in die Materie vordringen möchte, kann sich mit Graufiltern zur Verlängerung der Belichtungszeit, Grauverlaufsfiltern zum Abdunkeln des Himmels noch auseinander setzen.

Ich fasse die Eckpunkte nochmal zusammen:

  • Brennweiten von 12-35 mm benutzen, jaja, es gibt natürlich Ausnahmen
  • ISO- Werte niedrig halten
  • Blendzahl zwischen 8-14
  • Stativ oder Auflage verwenden
  • Tageszeit beachten
  • Horizont selten mittig setzen
  • Linien oder Diagonalen nutzen
  • Hochformat einsetzen

Viele Grüße und viel Spaß beim Fotografieren

Raik Krotofil

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