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Island 2012 – Tag 2 – Mit dem Superjeep zum Golden Circle

Um 7:00 Uhr klingelte Julians Handywecker … erst gegen 7.15 Uhr realisierten wir beide, dass die Musik aus dem Handy kam und uns eigentlich pünktlich wecken sollte. Der Anreisetag war anscheinend anstrengender, als wir uns beide eingestehen wollten. Gestern Abend haben wir gegen 22 Uhr im Galtafell-Hostel eingescheckt. Ein sehr schönes altes Herrenhaus. Untergebracht sind wir im Souterrain, der Bereich, in dem wahrscheinlich früher die Hausangestellten ungebracht waren. Um 8 Uhr sind wir dann nach oben um uns mit einem reichhaltigen Frühstück zu stärken. Wie per Mail angekündigt stand pünktlich um 8.45 Uhr der weiße Nissan vor der Tür, mit dem wir einen ereignisreichen Tag verbringen sollten.

Der Fahrer und unser Guide für den Tag stellte sich uns als Hlynur (gesprochen: Chlynur) vor. Hlynur ist einer der Inhaber des Touroperators Snaeland.is. Seinen Bruder Halli hatten wir bereits auf dem Islandworkshop Anfang des Jahres in Frankfurt kennengelernt. Zu unserem Glück spricht Hlynur deutsch und wir können ihm sofort erzählen, was wir eigentlich vorhaben und warum wir mit massenweise Kameraequipment nach Island fahren. Unser erstes Abenteur in Island beginnt …

Ein glückliches Missverständnis

Als ich erzählte, dass ich ein Outdoorblog schreibe, hat Hlynur wohl irgendwie Autoblog verstanden, aufgrund dessen wir uns dann zuerst in einer Autowerkstatt wiederfanden, in der die Offroadfahrzeuge für die die isländischen Gravelroads pimpt wurden: Neues Getriebe, Höherlegung, Spurverbeiterung, Unterboden- und Aufprallschutz und zum Schluß die wirklich fetten Monsterreifen. Der perfekte Beginn für unsere Männertour! Mein persönliches Highlight war ein gepimpter Mercedes Sprinter, bei dem bis auf die Karosserie alles ausgetauscht und somit geländegängig gemacht wurde. Der Umbau eines Standardjeeps zum Superjeep kostet je nach individuellen Wünschen ab 25.000€ aufwärts.

Thingvellir, leergefegte Straßen und der Verlust der Schwiegermutter

Der Wind in Reykjavik war bereits am Morgen mörderisch. Das Meer wurde im wahrsten Sinne des Wortes durch den Wind auf die Straße getragen. Hlynur meinte nur: „Solange die Schwiegermutter auf dem Dach bleibt, ist alles gut“. Damit meinte er natürlich den Jetbag, der auf dem Dach befestigt war. Die Wetterstationen meldeten eine Windgeschwindigkeit von über 40 Meter/Sekunde. Die meisten Touroperator haben ihre Ausflüge abgesagt. Busse konnten überhaupt nicht fahren und sogar unser Superjeep hatte mit dem starken Wind arg zu kämpfen. Irgendwo auf der Strecke zwischen Reykjavik und Thingvellir haben wir dann die „Schwiegermutter“ verloren. Der Wind hat den Deckel einfach weggerissen!

Folglich waren wir, bis auf sehr wenige Ausnahmen, die einzigen, die an diesem Tag unterwegs waren. Wir erreichten die Thingstätte, an der sich das Althing – das isländische Parlament – seit dem Jahr 930 traf um jährlich neue Gesetze zu verabschieden. Das Althing war übrigens mit hoher Wahrscheinlichkeit das weltweit erste demokratische Parlament. Die Thingstätte befindet sich im Thingvellir-Nationalpark. In diesem Nationalpark driften die amerikanische und die eurasische Platte auseinander. Jedes Jahr ein paar Milimeter mehr. In der darin entstandenen Senke finden sich mit Moos bewachsene Lavaflüsse und tiefe Gräben – eine zerklüftete Mondlandschaft. Großartig! Die UNESCO hat dieses Gebiet 2004 zum Weltkulturerbe erklärt. Damit ihr euch mal einen Eindruck von der Windgeschwindigkeit machen könnt, hab ich hier ein kleines Video gepostet. Sogar der islanderfahrene Hlynur hat es sich nicht nehmen lassen, sich mit viel Spaß in den Wind zu stürzen.

Heiße Geysire und ein dämliches Missgeschick

Der nächste Halt und ein obligatorischer Besuch sind natürlich die Geysire Islands. Einer der berühmtesten Geysire weltweit ist der Strokkur, der eine Höhe von bis zu 35 Metern erreichen kann. Bei den derzeitigen Windbedingungen schaffte er es leider nur auf wenige Meter. Trotz allem, nicht wirklich weniger Eindrucksvoll. Das gesamte Gebiet ist bestückt mit kleinen inaktiven Geysiren; Qualm und ein starker Schwefelgeruch sind allgegenwärtig. Hier kann man wirklich sagen, dass die Erde kocht!
Die gesamte Fläche rund um den erruptierenden Geysir ist bedeckt mit Eis. Leider hab ich mir hier bei einer saudämlichen Aktion meinen Fuß verletzt. Ich bin in das Eis eingebrochen und habe mir wahrscheinlich mehrere Bänder überdehnt. Mein Fuß ist zwar heute schon auf dem Weg der Besserung, jedoch werden wir diese Woche voraussichtlich keine großen Wanderungen unternehmen können. Aber der Besuch war es auf jeden Fall wert. Kochendes Wasser aus der Erde rockt!

I’ve seen watterfalls…

Das nächste Ziel unserer Tour waren die Gullfoss-Wasserfälle. Ich war während der Fahrt noch viel zu sehr mit meinem Fuß beschäftigt, so dass mich des visuelle Erlebnis beim Anblick der Wasserfälle erstmal überfordert hat. Ein unglaublch breiter Fluß, der teilweise mit Eis bedeckt ist wird zu einem zweistufigen Wasserfall. Ich hab schon einige Wasserfälle gesehen, aber der Gullfoss ist anders. Für mich das Highlight der gesamten Tour! Das folgende kleine Video vermittelt euch hoffentlich einen kleinen Eindruck…

On- und Offroad

Der starke Wind verwandelte sich immer mehr in einen Sturm. Erst Schnee, dann Sand. Hlynur wurde schon von seinen Kollegen davon abgeraten den Gletscher zu besuchen, aber er wollte es trotzdem riskieren. Wir mussten die Fahrt schlussendlich doch abbrechen, weil die Sicht bei dem Sandsturm immer schlechter wurde und Hlynur nicht länger seinem Auto dieses Sandstrahlgebläse zumuten wollte. Es kostete uns nicht wirklich viel Überzeugungsarbeit, als wir Hlynur anboten, er möge uns doch mal zeigen, was sein Superjeep abseits von geteerten Straßen so alles kann. Er führte uns mit seinem Jeep zu einer Offroadpiste, die im Zick-Zack-Kurs durch einen halb zugefrorenen Fluss führte. Ich weiß bis heute noch nicht, wer von uns mehr Spaß hatte: Wir oder Hlynur 🙂
Die Strecke führte übrigens am Ende noch an der heißen Wasserader Reykjaviks vorbei. Hier wird heißer Wasserdampf, der aus der Erde kommt zur Energiegewinnung durch eine Turbine gejagt. Hinter der Turbine kommt das Wasser mit der für die Wasserversorgung anscheinend idealen Temperatur von 90 Grad Celsius raus. Dieses wird über eine isolierte Pipeline die knapp 30 Kilometer nach Reykjavik geleitet. Laut Hlynur verliert das Wasser auf dieser Strecke nur 1 Grad seiner Temperatur.

Fazit

Der zweite Tag unseres Islandabenteurs war unfassbar ereignisreich. Mit diesem Blogpost versuche ich euch dennoch wenigstens die Rahmendaten unseres Ausfluges zu vermitteln. Die Tour, die wir gemacht haben nennt sich übrigens „Golden Circle“ und ist eine der bekantesten Touristenattraktionen hier auf Island. Der goldene Kreis ist im Sommer sicherlich sehr überlaufen. Im Winter kann ich euch diese Tour auf jeden Fall wärmstens empfehlen. Wetter- und vor allem Windfeste Kleidung ist jedoch dringend erforderlich.

Fotos

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Foto 1: Montage der GoPro – natürlich mit Gaffa

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Foto 2: Unser Guide Hlynur

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Foto 3: Blick aus dem vereisten Auto

Mehr Fotos findet ihr im Blogpost von Julian.

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