Australien 2002
Mornington Station und Old Mornington Bushcamp (III)

Mornington Station und Old Mornington Bushcamp (III)

Mornington Station und erste Erfahrungen im australischen Outback

Dieser Artikel wurde im Jahre 2002 von mir verfasst. Weitere Infos zu dem Projekt: Australien 2002 findet ihr hier.

So Jungs und Maedels zu Hause im, wie ich hörte, verregneten Deutschland. Viel ist passiert in den letzten Wochen (Monaten ?).
Erstmal vorneweg: ICH LEBE NOCH

[Anmerkung: Hier fehlen leider ein paar Infos: Ich bin damals mit einem Coach (Reisebus) von Kununurra nach Derby gefahren und dort in das Spinifex-Backpackers eingescheckt. Spinifex ist das Bushgras, das hier überall wächst und einem permanent die Beine aufkratzt. In Derby steht unter anderem noch ein „Boab Prison Tree“ auf dessen Geschichte ich später nochmal eingehen möchte.
Heute leben und arbeiten in Derby ca. 5000 Menschen. Derby und Kununurra sind die Hauptversorgungsknoten für die Betriebe in der Kimberly-Region.
]

Remote area

Ich bin hier nun ‚mal mitten im Nix und die einzige Verbindung zur Außenwelt ist unser Sateliten-Telefon. Heute habe ich es doch ‚mal wieder geschafft zur Homestead (der eigentliche Bauernhof) zur fahren und hier ein paar Stunden im Internet zur verbringen.

Also… wo soll ich jetzt anfangen… am Anfang. Nach meinem letzten Bericht bin ich zurück ins Spinifex-Backpackers, wollte eigentlich direkt ins Bett, hab‘ dann aber beschlossen, noch’nen kurzen Abstecher in’s Spini-Pub zu machen. Dort wollte ich eigentlich nur ’nen Roadie (letztes Bier oder Coke for the Road) trinken und dann ab in die Kiste. Aber es sollte anders kommen. Ich lernte eine nette Skimpie (im-Bikini-hinter-der-Bar-tanzendes-Mädel) kennen und jede Menge Locals. Diese erklärten mir dann erst, was es wirklich mit dieser Cattle-Station auf sich hat.

Cattle-Station

Die Cattle-Station (eine Rinderfarm) ist ca. 316.000 hektar gross und befindet sich mitten in den Kimberlys in Australien. Hier leben irgendwas zwischen 7.000 und 25.000 Rinder! Aber das ist noch nicht alles. Vor drei Jahren hat der Besitzer (Michael Curr) und Gründer der Farm ein Bush-Camp errichtet, welches sich hier jedes Jahr mehr und mehr mit Touristen füllt. Mein Job ist hier ein neues Bushcamp-Hauptgebäude und einen neuen Toilettenblock aufzubauen. Seit 9 Wochen arbeite ich also auf dem Bau! 😉

Nichtdestotrotz gefällt es mir ziemlich gut hier. Ich bekomme den Toplohn von A$ 400 pro Woche, freie Unterkunft und Verpflegung; Sonntag ist frei! Jeden Abend hab‘ ich genug Zeit um mein Geld an einer der geilsten Bars in den Kimberleys zu verschwenden und ich lerne jeden Abend neue Leute kennen! 90% der Besucher hier sind Aussies, der Rest kommt aus der Schweiz… kein Scheiss, ich weiß nicht wo die ganzen Schweizer hier alle herkommen. So gross ist die Schweiz doch gar nicht !

KenMein Englisch hat sich mittlerweile zum ‚Bauarbeiter-Englisch‘ entwickelt. Ich kenne jetzt mehr ‚bad words‘ im englischen, als im deutschen. Passt aber schon, ich kann mich mittlerweile sehr gut mit den Leuten verständigen und habe viel Spass jeden Tag. Hier wimmelt es von echten Originalen. Ken, unser Chefbuilder […der „Polier“ …] ist ’ne echte Granate. Einer der Leute, die wenn man sie in der Kneipe trifft, nix zutraut, die es aber faustdick hinter den Ohren haben. Michael Curr, der Manager hier, ist ein unheimlich eindrucksvoller Mensch. Der hat die Mornington Station, die etwa doppelt so gross wie das Saarland ist, alleine aufgebaut. Später noch drei weitere angeschlossene Cattle Stations gemanaged. Diese vier Farmen sind zusammen größer als NRW, nur um ‚mal ein Gefühl für australische Größen zu bekommen!

Bushmechanix

Nun ja, ich kann jetzt Traktor fahren, Reifen reparieren, Zement mixen, Wasserrohre verlegen, usw… also, auf dem besten Weg ein Bushmechanix zu werden. Hier wird den ganzen Tag improvisiert, repariert und wieder improvisiert. Eine Baustelle im Bush ist um einiges verschieden als in besiedelten Gegenden. Die Transportwege sind einfach zu lange um‘ mal kurz eben in den Baumarkt zu fahren und eine passende Flansch oder ähnliches zu kaufen. Was nicht passt wird passend gemacht! Was aber nicht heisßen muss, dass es keine Versorgungswege gibt. Die einzige Strasse, die zum Old Mornigton Bushcamp fuehrt ist schlechter als jeder Feldweg in Deutschland. Hier gilt es mehrere Flüsse zu durchkreuzen, was nur mit einem Allradfahrzeug mit genügend Bodenfreiheit möglich ist! Kein normaler Europäer würde diesen Weg befahren.

Mustering?

Tatsächlich kommen hier aber manchmal sogenannte Road-Trains an (Grosse LKW’s mit 2 oder mehr Anhänger) und bringen uns neues Baumaterial oder transportieren das Vieh ab! Ach ja die Rinder… ganz vergessen, wie organisiert man Rinder auf einer Fläche von 316.000 Hektar? Natuerlich mit Helicoptern und Bull-Buggies. Bull.Buggies sind kleine Suzuki Jeeps mit Üeberrollbügel, die das Vieh aus Gegenden heraussjagen, die der Helicopter nicht erreichen kann, wie z.B. Wäldern oder Schluchten. Das ganze nennt sich MUSTERING und wird von sogenannten RINGER durchgefuehrt. Ein Ringer ist so der Cowboy von Western Australia! Das Mustering wird zumeist von sogenannten CONTRACT-RINGERS durchgefuehrt, die ausschliesslich dafuer engagiert werden. Die eigentliche Station wird nur von dem Manager (Michael) und Joe, dem HEAD-STOCKMAN und seiner Familie betreut. Ich werde das Mustering leider verpassen, weil ich mich nächste Woche auf den Weg mache den Rest von Australien zu entdecken.

Ich denke das reicht jetzt ‚mal so als Einführung in die Arbeit auf einer Cattle Station. Ich werde versuchen nächste Woche einen weiteren Bericht von der Mornington Station und dem Old Mornington Bushcamp zu verfassen. Wünsch‘ euch viel Spass in Deutschland oder wo auch immer ihr gerade seid !

Dieser Artikel wurde im Jahre 2002 von mir verfasst. Weitere Infos zu dem Projekt: Australien 2002 findet ihr hier.

Hintergrund

Michael "Curri" Curr und Martin CopleyMichael Curr, der ehemalige Besitzer und Manager der Station und des Bushcamps, hat damals seine gesamte Farm dem Millionär Martin Copley verkauft. Martin hat damals die Australian Wildlife Conservancy (AWC) gegründet und uns regelmäßig auf dem Gelände besucht. Das Old Mornington Bushcamp war das erste Gebiet, dass er erschlossen hatte. Die AWC ist mittlerweile eine große Organisation, die sich dem Schutz der australischen Flora und Fauna verschrieben hat. Infos zum Mornington-Sanctuary findet ihr auch noch auf der Website der AWC.

Bilder vom Old Mornington Bushcamp und Mornington Station

Weiterlesen >> Bushworks

Related Posts

2 Comments

  1. Australien 2002 › hoppraus.de

    6. Februar 2012 at 17:49

    […] Old Mornington Bushcamp […]

    Reply

  2. […] Old Mornington Bushcamp (III) […]

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *


*

Blog via E-Mail abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Reklame

Bergfreunde.de - Ausrüstung für Klettern, Bergsport und Outdoor

Iceland 2012

I love vaping