Ausrüstung
Icebreaker – Warmes für drunter – GT260 im Test

Icebreaker – Warmes für drunter – GT260 im Test

Ausrüstungs-Check: Icebreaker GT260 Midweight LS Pursuit Crewe

Vor einer Woche hat mir mein lieber Postmann die lang erwartete Lieferung meines „Icebreaker GT260 Midweight LS Pursuit Crewe – Technical Base Layer“ von den Bergfreunden zugestellt. Klingt verdammt technisch und sowas mag ich. YEAH!

Es handelt sich hierbei um ein Longsleeve aus Merino-Wolle und ist als unterste Schicht für Outdoor-Aktivitäten gedacht. Aber dazu später mehr. Meine Aufgabe: Das schöne Stück Technik, was eigentlich zu fast 100% aus Natur besteht, auf Herz und Nieren zu testen.

ICEBREAKER – The Company

Die Geschichte des Selfmade-Man Jeremy Moon klingt sympathisch, natürlich und auch abenteuerlich. 1994 lernt Jeremy, über eine amerikanische Freundin, den neuseeländischen Farmer Brian Brakenridge kennen. Brian lebt mit seiner Familie und 8000 Merino-Schafen irgendwo mitten im nichts bei dem Örtchen Marlborough in Neuseeland. Er hat für Jeremy einige Prototypen seiner Idee angefertigt: Thermo-Unterwäsche aus 100% Merinowolle.

Jeremy warf schnell seine Vorurteile der Vergangenheit gegenüber kratzender Wolle auf Seite und war sofort begeistert von dem tollen Tragegefühl aus 100% Natur. Outdoor-Kleidung aus natürlichen Rohstoffen für Menschen, die die Natur lieben. Die Idee für Icebreaker war geboren!

Mitte der 90er war allerdings das Jahrzehnt des Lycra und Polyester. Mann denke nur an die vielen Fotos der kraftvollen Kletterer im Yosemite mit ihren grellen Polybär-Höschen 🙂 Doch Jeremys Argumente einen natürlichen Rohstoff einzusetzen und die damit verbundenen Vorteile für die Menschen, die viel Zeit draußen verbringen, setzten sich schlussendlich durch. Plastik hat zwar den Vorteil den Schweiß schnell nach außen zu transportieren und abzutrocknen – der Geruch bleibt jedoch stets in der Kleidung! Die Merinowolle verhält sich da besser: Schnelles abtrocknen, ein besseres Tragegefühl und weniger Geruchsentwicklung zeichnen die Icebreakerprodukte laut Icebreaker.com aus.

Mittlerweile gibt es Subsidians von Icebreaker in der ganzen Welt. Seit 1999 sind die Icebreaker-Artikel auch in Europa erhältlich. Jeremy hat sich zwar Verstärkung in die Geschäftsführung geholt, ist aber immer noch CEO von Icebreaker. Die Merinowolle zur Produktion wird immer noch in Neuseeland bezogen. Der Rohmaterialbezug beträgt über 20% der gesamten Landesproduktion! Auch die eigentliche Fertigung der Kleidung wurde noch sehr lange von den Kiwis erledigt. Die steigende Produktionsrate zwang das Unternehmen allerdings die Produktion ins Ausland zu verlagern. Icebreaker hat nach eigenen Aussagen strenge Vorgaben z.B. zur Vermeidung von Kinderarbeit und zur Zahlung eines Lohnes über dem Mindestlohn. Weitere Infos über die „Ethical Manufactoring Standards“ findet ihr hier. Bevor jetzt ein Aufschrei von euch kommt: Hand aufs Herz. Kleidung, die in einem westlichen Land wie Deutschland hergestellt werden, können die wenigsten von euch bezahlen. Selbst der Grupp’sche Vorzeigebetrieb fertigt mittlerweise auch im Ausland.

Design und Goodies

So, genug über den Hersteller und die tolle Pressearbeit. Der Spaß beginnt bereits mit dem auspacken meines Langarm-Shirts. Tolles Verpackungsdesign, macht Lust auf mehr. Für lustvolles auspacken muss man kein Apple-Produkt kaufen. Ein „Icebreaker GT260 Midweight LS Pursuit Crewe“ tut es auch 🙂

Im Karton findet sich ein schwarzes langärmliges Shirt, in Größe M. Bis auf ein paar clever angebrachte Flachnähte und dem Logo auf der linken Schulter sieht es einfach nur aus, wie ein schwarzes Unterhemd. Erst beim anziehen kommen die Vorteile zum Tragen. Ein tolles Gefühl auf der Haut. Es verlaufen keine Nähte direkt unter den Achseln. Somit sind wundgescheuerte Stellen beim Wandern nahezu ausgeschlossen. Auch die Stelle über den Schultern wurde geschickt umgangen, so dass auch bei längeren Trekking-Touren die Trageriehmen des Rucksackes keine Schwierigkeiten machen sollten.Obwohl das GT260, wie gewünscht eng am Körper anliegt, ist es keinesfalls zu kurz. Mann kann es locker in die Hose stecken und für die lässigen auch drüber hängen lassen. Auch die Arme sind lang genug und besitzen zusätzlich noch Daumenschlaufen. Damit enden die Ärmel unter den Handschuhen und Kältebrücken sind quasi ausgeschlossen. Ich bin sehr froh, das sich der Trend mit den Daumenschlaufen endlich bei den Outdoor-Artikeln durchgesetzt hat.

Die 3% Lycra-Zugabe machen das Shirt in alle Richtungen sehr elastisch und tragen zusätzlich zum Tragekomfort bei. Blaue Nähte auf schwarzem Stoff finde ich etwas unpassend, aber das ist ja auch irgendwie Geschmacksache.
Erwähnenswert finde ich im Besonderen noch, den sogenannten BAACODE, die eindeutige Seriennummer, unter der man auf der Icebreaker-Website erfragen kann, von welchen Farmen die Wolle für mein Kleidungsstück kommt.

Alltagstest

Verletzungsbedingt sind meine Outdoortätigkeiten derzeit sehr eingeschränkt, aber ich habe versucht ein paar Testbedingungen zu simulieren:

Tragekomfort

Das GT260 fühlt sich großartig an. Es hält warm, kratzt nicht und wirft keine „gefährlichen“ Falten. Um es in Zahlen zu fassen:

10 Punkte gab es bisher nur für mein Lieblingsshirt eines namhaften Herstellers. Nennen wir den Wert einfach mal „VD“. Den Wert 0 nenne ich der Einfachheit wegen einfach mal „Kick“ (Ein Schelm, wer böses dabei denkt). Ein Decathlon-„Polybär“-Shirt beispielsweise erreicht bei mir einen Wert von 1. Auf meiner Kick-VD-Wohlfühlskala erreicht Icebreaker stabile 9 Punkte, also ein sehr gutes Ergebnis!

Wärmeisolierung

Ganz ehrlich? Ich mag den Sommer. Winter ist mir zu kalt, zu nass zu depressiv! Mein einziger Ehrgeiz vor die Tür zu gehen, ist es so warm angezogen zu sein, dass ich keinesfalls frieren werde und dabei nicht zuviel an Bewegungsfreiheit einzubüßen. Das GT260 rettet mir in Zukunft den werten Popo. Zum ersten Mal habe ich den Eindruck, dass ich in der untersten Schicht keinen Fehler gemacht habe. Es hält wirklich warm, und ich kann mir gelegentlich das ein oder andere Vlies zum drunterziehen sparen. Die Großzügige Ärmellänge und die Daumenschlaufen tragen zusätzlich zur Wärmeisolierung bei. 10 von 10 Punkten!

Think don’t stink

Das steht auf der Packung und es ist irgendwie wahr. Nach drei Tagen und Nächten im gleichen Shirt konnten weder ich noch mein Umfeld irgendeine Geruchsentwicklung feststellen. Und glaubt mir, wenn ich euch sage, dass meine Freunde keine Hemmungen haben mir mitzuteilen, wenn ich stinke 🙂 Highlight des Dauertests waren eine 2stündige Wanderung und ein nächtlicher Kneipenbesuch in einer exzessiven Raucherbeiz‘! Test erfolgreich bestanden. 10 Punkte!

Mängel

Ernsthafte Mängel könnte ich nicht feststellen. Eine 14-tägige Trekkingtour und 20 Waschgänge, wären die angebrachten Testbedingungen, die ich leider nicht nachstellen kann. Eins muss ich aber der Form wegen festhalten: Icebreaker ist Thermounterwäsche aus Merino-Wolle. Unterwäsche impliziert „drunter“. Im warmen Wintermonaten ist man schnell dazu verführt die nächste Schicht auszuziehen. Ich glaube jedoch nicht, dass das Material längeren direkten Kontakt mit den Trageriemen eines Rucksackes oder Kontakt mit Geäst beim Geocachen im Unterholz, verzeihen wird. Eine Freundin berichtet außerdem, dass ihre Icebreaker Unterwäsche beim Hochziegen während dem Wandern wie eine Strumpfhose eingerissen ist. Manikürte Fingernägel waren hier definitiv nicht im Spiel!

Fazit

Ein funktionelles Produkt von einem innovativen Hersteller. Die Philosophie von ICEBREAKER gefällt mir und das Produkt hält was es verspricht.

Tragekomfort: 9/10 Punkten
No-Stink: 10/10 Punkten
Wärmeisolierung: 10/10 Punkten

Über den Preis von 90€ kann man streiten. Im Bereich der Funktionskleidung ist ICEBREAKER preislich immer noch im Mittelfeld unterwegs, bietet jedoch hochklassige Funktionsunterwäsche!
Ein großes Dankeschön an Dennis von den Bergfreunden, der mir freundlicherweise mein Wunschexemplar zum Test zur Verfügung gestellt hat. ICEBREAKER erhaltet ihr bei dem Fachhändler eures Vertrauens oder bei Bergfreunde.de.

Hat jemand Erfahrungen mit ICEBREAKER gemacht? Ich freue mich über eure Kommentare.

Bilder

Related Posts

3 Comments

  1. Outdoor Blog | Dennis

    12. Januar 2011 at 11:13

    Sehr schöner Bericht! Die Icebreaker-Teile sind echt genial. Gerade auf langen Touren macht sich die Geruchsneutralität bemerkbar und ist ein echter komfortgewinn im Gegensatz zur Kunstfaser!

    MfG Dennis

    Reply

  2. […] verschiedener Tests. Mir gefiel dabei vor Allem die Icebreaker-GT Linie. Und auch die Tests auf Hoppraus.de und 1001Miles bestärken meinen Beschluss mir die Teile mal genauer anzusehen.Als kleinen Nachtrag […]

    Reply

  3. […] erste icebreaker-Produkt zugelegt: Ein Icebreaker GT260 Midweight LS Pursuit Crewe und darüber berichtet. Hinter dem kompliziert klingenden Namen steckt ein Longsleeve aus reiner Merinowolle. Bis heute […]

    Reply

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *


*

Blog via E-Mail abonnieren

Gib Deine E-Mail-Adresse an, um diesen Blog zu abonnieren und Benachrichtigungen über neue Beiträge via E-Mail zu erhalten.

Reklame

Bergfreunde.de - Ausrüstung für Klettern, Bergsport und Outdoor

Iceland 2012

I love vaping