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Funktionskleidung: Wieviel Jacke muss es sein?

Funktionskleidung: Wieviel Jacke muss es sein?

Auf Spiegel Online Reise kann man heute über einen ausführlichen Test von Funktionsjacken der Stiftung Warentest lesen. Die Jacken wurden unter anderem auf ihre Wasserdichtheit und die Produktionsbedingungen in Hinsicht auf CSR (Corporate Social Responsability) geprüft. Ich möchte das Thema aufgreifen und versuchen einen kurzen Überblick über Funktionsjacken, die verwendeten Materialien und vor allem, deren Einsatzzweck zu geben.

Materialkunde

Funktionsjacken bestehen zum größten Teil aus Kunstfasern. Sprich ein grundsätzlich einfach herzustellendes Grundmaterial, dass in aufwendigen Herstellungsprozessen zu Textilien verarbeitet wird (u.a. Polyester, Polyamid oder Polypropylen). Das Endprodukt kann man unterscheiden in die Begriffe Fleece, Soft Shell oder Hard Shell.

Fleece

Fleece ist wohl den meisten bekannt. Fleecejacken bestehen aus einem Kunstfaserwebpelz, es gibt sie in verschiedenen Stärken (von 80g/qm – über 300g/qm) und sie bieten eine hervorragende Wärmeisolierung bei guter Atmungsaktivität. Dafür kann man bereits nach einem kräftigen Regenschauer richtig durchnässt sein. Immer mehr Hersteller, wie das Beispiel von Patagonia zeigt, verwenden Kunstoffmüll respektiv PET-Flaschen zur Herstellung ihrer Fleecebekleidung. Recycling par excellence!

Soft Shell

Soft Shell-Jacken bestehen aus mehreren laminierten Schichten. Die äußere Schicht ist in der Regel sehr strapazierfähig, atmungsaktiv und begrenzt wasserdicht. Weitere Schichten sorgen für eine gute Wärmeisolierung. Soft Shell-Jacken sind in der Regel angenehm zu tragen. Das Material ist sehr dehnfähig, verfügt über eine gute wasserdampfdurchlässigkeit und ist somit atmungsaktiv. Soft Shell ist aber leider nur begrenzt wasserundurchlässig und somit nicht geeignet für Touren mit lang andauernden und starken Regenfällen.

Hard Shell

Klassische Regenjacken bestehen in der Regel aus Hard Shell und werden ebenso aus Kunstfaser hergestellt. Hard Shell-Jacken stellen aufgrund ihrer hohen Regendichtigkeit oft die oberste Schicht für eine wetterfeste Kleidung. Oft werden sie mit einem zusätzlichen Innenfutter oder einer Innenjacke ausgestattet um die fehlende Wärmeisolierung zu kompensieren. Hard Shell ist wasserdicht, winddicht und leicht, jedoch, falls nicht mit einer zusätzlichen Membran ausgestattet, grundsätzlich nicht atmungsaktiv. Der Schweiß wird also nicht nach außen abtransportiert, was auf längeren Touren sehr unangenehm werden kann.

Membrantextilien

Unter einer Membran versteht man im Zusammenhang mit Outdoortextilien eine von außen zu 100% wasserdichte Oberfläche, die jedoch von innen eine hohe wasserdampftransportfähigkeit aufweist. Sprich: Regen bleibt draußen, und die Körperfeuchte wird zum abtrocknen nach außen transportiert. Die bekanntesten Membrantextilien sind GORE-TEX® und SympaTex®. Die Funktionsweisen der benannten Hersteller unterscheiden sich zwar, dennoch erreichen beide Stoff das gleiche Ziel: Wasser wird nicht durchgelassen, wasserdampf jedoch schon. Hochwertige Hard Shell-Jacken, aber auch Hosen und Schuhe sind oft mit einer solchen Membran ausgestattet.

SympaTex® ist ein Warenzeichen der Sympatex Technologies GmbH
GORE-TEX® ist ein Handelsname der W. L. Gore & Associates

Was brauche ich nun wirklich?

Fleecejacken oder Pullis gehören meiner Meinung nach in den Schrank von jedem Outdoorfan. Egal ob Sonntagsspaziergänger, Geocacher oder Hardcore-Trekker. Fleece ist günstig, hat einen guten Tragekomfort und hält auch auch mal leichte Regenschauer aus. Dünne Fleecewesten (bis 100g/qm) kann man als zusätzliche Schicht unter die Jacke ziehen und dickes Fleecematerial (>200q/qm) schützt auch bei kalten bis sehr kalten Temperaturen. Preisgünstige Fleecebekleidung gibt es zum Beispiel von Quechua bei Decathlon. Wer es etwas modischer möchte schaut zum Beispiel in den Online-Shop der Bergfreunde oder geht zum Outdoor-Fachhändler seines Vertrauens.

Ob man sich nun für eine Soft oder Hard Shell-Jacke entscheidet hängt ab vom Einsatzbereich und ist auch ein wenig Geschmackssache. Ich persönlich bevorzuge Soft Shell-Jacken schon alleine wegen des großen Tragecomforts. Im Herbst und Frühling eignet sie sich hervorragend als Übergangsjacke und im Winter zieht man einfach noch ein dickes Fleece drunter und ist hervorragend gerüstet.

Für mehrtägige Trekkingtouren bietet Soft Shell jedoch nicht genügend Sicherheit vor Regen und Nässe. Grundsätzlich liegt die Entscheidung nahe sich eine ordentlich Hard Shell-Jacke zu besorgen und zwar am besten mit Membran. Man sollte jedoch zusätzlich auf gute Wärmeisolierungwerte achten. Bei einer solchen Jacke ist man schnell im Preisniveau von 400-600€ angelangt. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt. Der Test der Stiftung Warentest hat jedoch gezeigt, dass auch hochwertige Jacken, ob durch einen Fabrikationsfehler oder beispielsweise undichte Reisverschlüsse, nicht immer zu 100% dicht sind. Bei einer mehrtägigen Trekkingtour kann es einem die Laune mächtig verderben, wenn man permanent durchnässt ist. Bei Hochgebirgstouren oder in abgelegen Gegenden kann dies auch schon lebensgefährlich werden. Redundanz lautet also das Stichwort. Meines Erachtens sollte man sich nicht allein auf seine HighTech-Cyborg-UltraMembran-Jacke verlassen müssen. Eine einfache Regenjacke (Hard Shell) oder ein Regenponcho sollte man immer zusätzlich dabei haben. Diese haben in der Regel ein kleines Packmaß und auch das Gewicht ist durchaus zu vernachlässigen wie das Extrembeispiel der 65g leichten Windpoof Slipstream Jacke von Montane zeigt. Wer sich im Übrigen ernsthaft für die benötigte Ausrüstung für eine mehrtägige Trekkingtour interessiert, der kann einfach mal in der Blog der Agentur Erlebnisraum schauen. Julian bloggt hier seine Vorbereitungen für einen Irlandtrip. Ideal für Einsteiger.

Fazit

Da die wenigstens von uns eine Himalaya-Expedition oder eine Tour durch Sibirien planen, sollte man ernsthaft den Einsatzzweck für seine Kleidung überdenken. Ob man sich trotzdem eine Jacke für 600€ zulegen möchte, muss jeder selbst entscheiden. Meine 90€ Soft Shell-Jacke zum Beispiel leistet mir bereits seit mehreren Jahren gute Dienste. Ob ich mit einer teuren Jacke noch so unbefangen durch Brombeerbüsche laufen könnte, wage ich zu bezweifeln.

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2 Comments

  1. Tim Bob

    3. August 2012 at 14:49

    Hier sollte noch erwähnt werden, dass ausser GoreTex und Sympatex, alles andere keine Membran ist. Also weder Hy-vent, Texapore oder wie sie alle heissen. Dies sind alles Beschichtungen, die je nach Einsatz irgendwann „durchgerubbelt“ sind.

    Desweiteren geb ich dir vollkommen recht, es kommt auf das Einsatzgebiet an, wer jedoch ne mehrtägige Rucksacktour plant, kommt um ne rucksacktaugliche Hardshell einfach nicht drum rum, wenn er trocken bleiben möchte (wichtig is dann aber auch die Unterbekleidung, ist die falsch, wird man von innen nass ;-))…und mit der kann mann dann auch durch Brombeerhecken hüpfen.-D

    Reply

    • theo

      3. August 2012 at 14:54

      Hi Tim,
      danke für die bereichernde Antwort 🙂

      Reply

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